Auch wenn dieser Effekt im Osten Deutschlands stärker zu Tage tritt, sind in heimischen Regionen bereits ähnliche Symptome zu erkennen. Selbst bei Vorgängen, die man als „Betreiberwechsel“ bezeichnen könnte, laufen die Wechsel nicht mehr so wie man es üblicherweise im ländlichen Raum gewohnt ist.

Oft fehlen die familiären Hofnachfolger, was dann zu Hofübergaben führt, die rechtlich eine ungewohnte Dimension haben. Gerade im ländlichen Raum gibt es kaum schriftliche Pachtverträge. Die lange Zeit üblichen mündlichen Pachtverträge behalten ihre Gültigkeit jedoch nur bei einer Hofweitergabe an ein Familienmitglied. Übertragungen der Pachtflächen im Rahmen von Unterverpachtung und sogenanntem Pflugtausch sind in vielen Fällen rechtswidrig. Eigentlich sind der ursprüngliche Pächter und der neue „Pacht-Anwärter“ in der Pflicht die Grundstückseigentümer zu informieren. Was natürlich sehr mühsam sein kann, weil das bisher bestellte Land oft sehr vielen Eigentümer gehört und die Möglichkeit besteht, dass Eigentümer ihr Land bei dieser Gelegenheit einem anderen Landwirt anvertrauen wollen. Faktisch ist es so, dass in vielen solcher Fälle die Pachtverhältnisse enden und neue abgeschlossen werden müssen.

Juristisch scheinen die Vorgänge jedoch sehr unzureichend geregelt zu sein und der Gesetzgeber hat es viele Jahre versäumt, die Gesetze an die neuen Anforderungen anzupassen, obwohl die ursprüngliche Intention bereits darauf zielte, landwirtschaftliche Flächen und landwirtschaftliche Betriebe zu schützen. Gerade die seit Jahrzehnten übliche mündliche Form der Pachtverträge – mit den entsprechenden juristischen Interpretationen – führt jedoch dazu, dass die Eigentümer der landwirtschaftlichen Flächen mitnichten informiert werden und sich die ursprünglichen Pachtverhältnisse mit den vorherigen Hofbesitzern einfach dadurch in „neue“ Pachtverhältnisse wandeln, weil die Eigentümer die Bearbeitung durch einen Nachfolger dulden und/oder eine Pachtzahlung von einem Nachfolger akzeptieren. Dies kann sogar dazu führen, dass Landeigentümer es nicht einmal mitbekommen, dass sie quasi einen neuen Pachtvertrag abgeschlossen haben.

Eigentümer von landwirtschaftlichen Flächen sollten daher aufmerksam werden, wenn andere Ansprechpartner als bisher vorstellig werden, Anfragen zu Kontoverbindungen wegen Pachtzahlungen eingehen und andere Landwirte als bisher auf den eigenen Flächen aktiv werden. Seien Sie gut informiert und treffen Sie selbst ihre Entscheidungen, wer Ihre Flächen bearbeiten soll. Entscheidungen die sich durch unzureichende Informationen und ohne ihr Zutun quasi selbst treffen, können keine guten Entscheidungen sein. Halten Sie bei Ihrem Eigentum das Heft in der Hand.

Peter Schnierer

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